Museumsbrief Nr. 03, 2/1995 Der Buntsandstein

01.06.1995
Von: Gerhard Jahn

Der Buntsandstein

Gerhard Jahn - 1995

Weite Teile der Rhön- Landschaft werden vom Buntsandstein aufgebaut. Bei ungestörter Gesteinsabfolge findet man ihn unter den Meeresablagerungen des Muschelkalks und den Relikten des Rhön- Vulkanismus, wie Basalt und Phonolith. Das beweist, daß er das älteste an der Oberfläche anstehende Gestein unserer Region ist.

Um Poppenhausen findet man Buntsandstein an vielen Stellen an der Erdoberfläche aufgeschlossen. Viele ältere Bauwerke belegen, daß er früher als Baumaterial sehr beliebt und auch notwendig war, bis er schließlich in den letzten Jahrzehnten von den modernen, industriellen Baustoffen verdrängt wurde.

Wie ist dieses Gestein entstanden? In der Unteren Trias, zu Beginn des Erdmittelalters vor etwa 230 Millionen Jahren, breitete sich in Mitteleuropa eine weitgespannte Tiefebene aus, die von Hochgebieten und Gebirgsmassiven umgeben war. Hessen, und damit unsere Heimat, lag im Südteil dieses Mitteleuropäischen Beckens, im sogenannten Germanischen Becken. Die Rhön gab es damals noch nicht. Sie ist geologisch gesehen ein noch sehr junges Mittelgebirge und entstand erst etwa 200 Millionen Jahre später, etwa ab dem Miozän, einem Abschnitt der Erdneuzeit.

Der Verwitterungsschutt der das Becken umrahmenden Gebirge wurde von sporadischen Regenfluten abgespült. Große verzweigte Flußsysteme transportierten gewaltige Mengen von Geröll, Sand und Schlamm zu Tal und verteilten sie weitflächig in den Ebenen. Auf diese Weise entstanden dort im Laufe einiger Millionen Jahre mächtige Ablagerungsschichten festländischer Sedimente.

Wie wurden diese lockeren Schuttmassen zu festem Gestein? Durch allmähliches Absinken des gesamten Beckenraumes und die fortwährende Einschwemmung neuen Materials, später auch durch die Ablagerungen der folgenden erdgeschichtlichen Epochen wurde die Verfestigung durch den sich aufbauenden Gebirgsdruck und die damit entstandene Zusammenpressung / Entwässerung bei höheren Temperaturen eingeleitet. Im Zusammenspiel mit geeigneten Bindemitteln, wie z. B. Kalk, Ton, Gips, Calcit, Eisenmineralien und der in dieser Hinsicht dominierenden Kieselsäure bildeten sich so allmählich unsere heutigen Buntsandsteine- Gesteine aus buntem Sand.

Ihre Mächtigkeit beträgt im Bereich der Rhön bis zu etwa 500 – 700 Meter, im Gebiet der nördlichen Zentralsenken (Nordhessen – Niedersachsen) sogar bis über 1000 Meter. Für uns sind solche gewaltigen Dimensionen in Zeit und Raum gedanklich nur schwer faßbar. Führen wir uns aber vor Augen: Wenn im Gebirge z. B. jedes Jahr nur 1 Millimeter Gesteinsmasse abgetragen wird oder sich im Tal als Sediment neu aufschüttet, dann werden daraus nach einer Million Jahren schon 1000 Meter! Für uns eine Ewigkeit, für die Natur aber nur ein Atemzug!

Die Gebirgszüge der Beckenränder waren vorwiegend aus Granit, Gneisen, Schiefern und Vulkaniten aufgebaut. Hauptbestandteile des Granits sind die Minerale Quarz, Feldspat und Glimmer. So zeigen sich zwangsläufig auch die Buntsandsteine vorwiegend als Mischung aus diesen drei Komponenten. Vor allem bestehen sie aus dem harten, außerordentlich verschleißfesten Mineral Quarz, das bis zu 90 % des Gesteinsvolumens erreichen kann. Es konnte von allen Gemengteilen den starken mechanischen Beanspruchungen bei Transportwegen von oft mehreren hundert Kilometern am besten Widerstand leisten. Der wesentlich unstabilere Feldspat wurde schon auf seiner weiten Wanderung zumeist zu Ton zersetzt, sein Anteil beträgt daher in der Regel nur noch zwischen 3 und 20 %. Der Glimmergehalt des Buntsandsteins ist vom Volumen her nur von untergeordneter Bedeutung. Optisch dagegen zeigt sich dieses Mineral oft durch Anreicherungen feinster Plättchen auf den Schnittflächen der Gesteine, die im Sonnenlicht dann recht deutlich silbrig glänzen. Eisenminerale bewirken durch ihre Oxidation die charakteristischen Rottöne des Buntsandsteins, besonders in den Schichten des Oberen Buntsandsteins, die daher auch als „Röt“ bezeichnet werden. Solche Röt- Gesteine sind z. B. im Bereich der ehemaligen Grube Sieblos zu finden. Die entstanden in der Übergangszeit zwischen den vorwiegend festländisch geprägten Ablagerungen von Unterem und Mittlerem Buntsandstein und der folgenden Epoche einer rein marinen Sedimentation durch das sogenannte Muschelkalkmeer, das in Folge einer Landsenkung als Ausläufer des Südozeans (Tethys) von Südosten her allmählich in das Germanische Becken vorrücken und es schließlich vollständig überfluten konnte.

Dieser Ablauf dokumentiert sich nicht nur durch die vorherrschende tonig- feinkörnige Ausbildung der Röt- Gesteine, sondern auch z. B. in gelegentlichen Einlagerungen von Sand- Steinsalzkristallen, den Vorkommen der Versteinerungen mariner Muscheln und auch von Spurenfossilien, die grabenden und wühlenden wirbellosen Bewohnern des Meeresgrundes zugeschrieben werden.

In der Unteren Trias, der Zeit der Ablagerung der Buntsandsteinsedimente, herrschten im Germanischen Becken vorwiegend lebensfeindliche Bedingungen. Das Klima war trocken- heiß, mit nur seltenen Regenfällen, vielleicht vergleichbar mit den heutigen Verhältnissen in den Trockensteppen und Halbwüsten im Südwesten der USA. Nur ausgesprochen genügsame und anpassungsfähige Tiere und Pflanzen konnten hier existieren und sich auch längerfristig behaupten. Einige von ihnen sind auf dem Lebensbild (Abb. 1) dargestellt(Situation zur Zeit des höheren Mittleren Buntsandsteins).

Abb 1
Abb. 1: Lebensbild zur Zeit des höheren Mittleren Buntsandsteins (Erläuterungen im Text)

 

Abb 2
Abb. 2: Buntsandsteinplatte mit Handfährten des Handtieres (Chirotherium) und Trockenrissen

 

Pflanzen und Tiere

  1. Schilfartige Schachtelhalme
  2. Bärlappgewächse Pleuromeia: Diese Pflanze ist charakteristisch für den Buntsandstein- Ablagerungsraum. Das säulenförmige Gewächs erreichte eine Höhe von etwa zwei Metern, hatte lederartige Blätter und konnte das Wasser speichern wie ein Kaktus.
  3. Koniferen (Voltzia)
  4. Palmfarn
  5. Schädel und Skelettreste des Riesenamphibiums Mastodonsaurus (bis zu 1.2 m Schädellänge!). Als stark an das Wasser gebundene Tiere konnten sie sich den neuen klimatischen Verhältnissen nicht anpassen und starben zu jener Zeit völlig aus.
  6. Das bekannteste, aber zugleich auch rätselhafteste Lebewesen der Buntsandsteinzeit ist das Chirotherium (Handtier). Man gab ihm diesen Namen, da seine versteinerten Fährtenabdrücke, die uns alleine von ihm erhalten sind, einer menschlichen Hand verblüffend ähneln. (Abb. 2) Skelettreste dieser Tiere konnten bisher noch nicht entdeckt werden. Nur an der Hand der Fährten, die in den Schichten des sogenannten Chirotheriensandsteins im Grenzbereich Zwischen Mittlerem und Oberem Buntsandstein auch in Osthessen gefunden wurden (z. B. bei Eiterfeld und bei Fulda) konnten Größe, Lebensweise und Aussehen dieser dinosaurierhaften großen Reptilien rekonstruiert werden. Sie waren durch     Eiablage an Land nicht primär an das Wasser gebunden und daher den urtümlichen Amphibien überlegen.

Der Zahn der Zeit hat inzwischen große Teile der beschriebenen Gesteinsschichten wieder „zernagt“ und abgetragen. Hebungs- und Senkungsvorgänge im Verlaufe weiträumiger Bewegungen der Erdkruste, besonders während der Zeit des Pleistozäns (Eiszeitalter) in den letzten 2 Millionen Jahren der Erdgeschichte haben wesentlich zur Gestaltung unseres heutigen Landschaftsbildes beigetragen.

Jeder Stein zu unseren Füßen ist ein Stück Erdgeschichte und verdient Beachtung.


 Verfasser: Gerhard Jahn Sieblos- Museum Poppenhausen


 Copyright: Sieblos- Museum Poppenhausen

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